Was sind Kinderrechte?


Kinder sind Menschen und damit stehen ihnen die gleichen Rechte zu, wie Erwachsenen. Das reicht doch, heißt es immer wieder, zum Beispiel in der Debatte um Kinderrechte im Grundgesetz. Tut es aber nicht. Und das aus vielerlei Gründen.

Wie im Blogbeitrag Kinder, Kindheit, Kindheiten (hier geht´s zum Beitrag) aufgezeigt, hatten Kinder in der Geschichte lange Zeit eine Sonderstellung. Zwar wurden ihre besonderen Bedürfnisse nach und nach erkannt, Kinder wurden jedoch in der Regel Erwachsenen zugeordnet. Im römischen Recht etwa galten sie als Eigentum des pater familias- des männlichen Familienoberhauptes. Das Machtverhältnis zwischen Kindern und Erwachsenen besteht bis heute. Traditionell wird davon ausgegangen, dass Erwachsene allein auf Grund ihrer Alters Kompetenzen und Fähigkeiten zukommen, auf Grund derer sie sich über die Interessen und Wünsche von Kindern hinwegsetzen dürfen. Wir sprechen hier vom sogenannten Adultismus. Die Kinderrechte sollen helfen, dieses Machtgefälle auszugleichen.

In der Präambel der UN-Kinderrechtskonvention betonen die Vertragsstaaten, dass „das Kind wegen seiner mangelnden körperlichen und geistigen Reife besonderen Schutzes und besonderer Fürsorge, insbesondere eines angemessenen rechtlichen Schutzes vor und nach der Geburt“ bedürfe. Dies gelte insbesondere für Kinder, welche in außerordentlich schwierigen Verhältnissen lebten. Die Vertragsstaaten gehen zudem davon aus, dass Kinder „zur vollen und harmonischen Entfaltung  [ihrer] Persönlichkeit in einer Familie und umgeben von Glück, Liebe und Verständnis aufwachsen … [und] umfassend auf ein individuelles Leben in der Gesellschaft vorbereitet [werden] sollte[n].  „Der Familie als Grundeinheit der Gesellschaft und natürlicher Umgebung für das Wachsen und Gedeihen aller ihrer Mitglieder, insbesondere der Kinder, [sollte] der erforderliche Schutz und Beistand gewährt werden, damit sie ihre Aufgaben innerhalb der Gemeinschaft voll erfüllen kann.

Je älter und reifer Kinder werden, desto mehr verlagert sich ihr Bedürfnis nach Schutz hin zu einem Verlangen nach Teilhabe. Ihre wachsenden Fähigkeiten wiederum beschränken nach und nach die Eingriffs- und Entscheidungsrechte von Eltern und anderen Verantwortlichen. In jedem Einzelfall muss deshalb eine ausführliche Abwägung erfolgen, in deren Mittelpunkt das Kindeswohl steht. Ohne die Kinderrechte fehlte es Kindern an einer rechtlichen Grundlage für ihre Forderungen.

Deshalb beinhaltet die UN-Kinderrechtskonvention weitere spezielle Rechte, welche sich aus der besonderen Stellung von Kindern ergeben.

 
Die UN- Kinderrechtskonvention

Die UN- Kinderrechtskonvention (UN-KRK) wurde 1989 beschlossen. Alle Länder der Erde mit Ausnahme der USA haben sie ratifiziert. Kein anderes völkerrechtliches Abkommen wurde je von so vielen Staaten unterzeichnet. In Deutschland gilt die UN-KRK seit 1992. Die Unterzeichnenden haben sich verpflichtet, die in der UN-KRK festgelegten Rechte zu achten und zu gewährleisten, indem sie geeignete Gesetzgebungs-, Verwaltungs- und sonstige Maßnahmen zur Verwirklichung des Übereinkommens treffen (Art. 4 KRK)

Die KRK besteht aus 54 Artikeln. Die Artikel eins bis 41 umfassen die materiellen Bestimmungen, die Artikel 42 bis 45 betreffen die Umsetzung und die Artikel 46 bis 54 beinhalten die sogenannten Schlussbestimmungen, welche Regelungen zum Inkrafttreten, etc. enthalten.

Die Kinderrechte aus der UN-Kinderrechtskonvention lassen sich in drei Kategorien unterteilen, welche üblicherweise als die drei „P“ bezeichnet werden: protection rights (Schutzrechte), participation rights (Teilnahme- bzw. Teilhaberechte) und provision rights (Versorgungs- und Förderungsrechte).

Die Rechte aus der UN- KRK sind ganzheitlich zu verstehen. Das bedeutet, dass alle Rechte gleichrangig sind und keine Norm der anderen vorgeht. Alle Regelungen bauen aufeinander auf und sind fest miteinander verbunden. Trotzdem haben sich vier zentrale Grundprinzipien herausgebildet:

  • Artikel 2 – das Diskriminierungsverbot
  • Artikel 3 – der Vorrang des Kindeswohls
  • Artikel 6 – das Recht auf Leben
  • Artikel 12 – das Recht auf Gehör


Kinderrechte sind mehr als die UN-Kinderrechtskonvention

Das heißt aber nicht- und das ist wichtig- dass es vor 1992 in Deutschland (und anderswo) keine Kinderrechte gab. Die Rechte der Kinder gibt es schon immer, sie können Kindern nicht zugestanden oder weggenommen werden, sie müssen sie auch nicht verdienen, erarbeiten oder von Erwachsenen anerkannt werden. Kinder haben diese Rechte einfach deshalb, weil sie Kinder sind. Dass einige der Rechte, die Kinder aufgrund ihres Mensch- und Kindseins haben, inzwischen durch viele Länder der Erde anerkannt sind, bedeutet nicht, dass diese Recht so erst geschaffen wurden, sondern dass die Unterzeichnerstaaten damit versprechen, dass sie Maßnahmen ergreifen, um diese Rechte in ihrem Territorium umzusetzen und Kinder bei der Ausübung dieser Rechte zu unterstützen. Die UN-Kinderrechtskonvention ist deshalb auch nicht abschließend im Sinne von: das sind alle Kinderrechte, die es gibt. Über manche Dinge konnten sich die Staaten auch nach 10-jähriger Verhandlung nicht einigen, manche Fragen waren 1989 noch gar kein Thema. Zum Beispiel sind ökologische Kinderrechte nicht ausdrücklich in der UN-KRK normiert, auch wenn sie über einige Artikel mit hinein gelesen werden können.


Kinderrechte umsetzen

Kinder sind nicht nur unsere Zukunft, sie sind auch unsere Gegenwart. Kinder haben das Recht ihr Leben mitzubestimmen und aktiver Partner bei der Gestaltung unserer Gesellschaft zu sein. Dieses Recht kommt ihnen kraft ihres Mensch- und Kindseins zu und wurde in den UN- Kinderrechten verbindlich für alle Mitgliedsstaaten verschriftlich. Doch nicht nur die Staaten tragen die Verantwortung für die Umsetzung. Wir alle stehen in der Pflicht, Kindern die Hand zu reichen, sie zu schützen, zu fördern, sie teilhaben und mitentscheiden zu lassen.



"Du hast das Recht genauso geachtet zu werden, wie ein Erwachsener,
Du hast das Recht, so zu sein wie du bist.
Du musst dich nicht verstellen und so sein, wie die Erwachsenen es wollen.
Du hast ein Recht auf den heutigen Tag,
jeder Tag deines Lebens gehört dir, keinem sonst.
Du, Kind, wirst nicht erst Mensch, du bist ein Mensch."

(Janusz Korczak)


Kinder sind nicht nur unsere Zukunft, sie sind auch unsere Gegenwart. Kinder haben das Recht ihr Leben mitzubestimmen und aktiver Partner bei der Gestaltung unserer Gesellschaft zu sein.
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