Artikel 28 UN-KRK
Worum geht es?


Das Recht auf Bildung – selbstverständlich oder? Die Pandemie und die damit verbundenen Schulschließungen haben gezeigt wie schnell das Recht der Kinder auf Bildung ausgehebelt werden kann. Schulschließungen haben für die Betroffenen erhebliche psychische und soziale Konsequenzen und widersprechen dem Recht der Kinder auf Bildung wie es Art. 28 UN-KRK  formuliert. Darin steht:

(1) Die Vertragsstaaten erkennen das Recht des Kindes auf Bildung an; um die Verwirklichung dieses Rechts auf der Grundlage der Chancengleichheit fortschreitend zu erreichen, werden sie insbesondere

  1. a) den Besuch der Grundschule für alle zur Pflicht und unentgeltlich machen;
  2. b) die Entwicklung verschiedener Formen der weiterführenden Schulen allgemeinbildender und berufsbildender Art fördern, sie allen Kindern verfügbar und zugänglich machen und geeignete Maßnahmen wie die Einführung der Unentgeltlichkeit und die Bereitstellung finanzieller Unterstützung bei Bedürftigkeit treffen;
  3. c) allen entsprechend ihren Fähigkeiten den Zugang zu den Hochschulen mit allen geeigneten Mitteln ermöglichen;
  4. d) Bildungs- und Berufsberatung allen Kindern verfügbar und zugänglich machen; e) Maßnahmen treffen, die den regelmäßigen Schulbesuch fördern und den Anteil derjenigen, welche die Schule vorzeitig verlassen, verringern. 

(2) Die Vertragsstaaten treffen alle geeigneten Maßnahmen, um sicherzustellen, dass die Disziplin in der Schule in einer Weise gewahrt wird, die der Menschenwürde des Kindes entspricht und im Einklang mit diesem Übereinkommen steht. 

(3) Die Vertragsstaaten fördern die internationale Zusammenarbeit im Bildungswesen, insbesondere um zur Beseitigung von Unwissenheit und Analphabetentum in der Welt beizutragen und den Zugang zu wissenschaftlichen und technischen Kenntnissen und modernen Unterrichtsmethoden zu erleichtern. Dabei sind die Bedürfnisse der Entwicklungsländer besonders zu berücksichtigen.

Bildung ist ein Schlüsselelement für die Entwicklung und Verbreitung von Menschenrechten. Art. 28 geht von einem umfassenden Bildungsbegriff aus. So ist unter Bildung zum einen der Erwerb von grundlegenden Fähigkeiten zu verstehen, zum anderen die Weiterentwicklung von geistigen und sozialen Fähigkeiten, also die weitergehende Entwicklung der Persönlichkeit. Zu den Fähigkeiten gehören nicht nur lesen, schreiben und rechnen, sondern auch Lebenskundigkeit sowie die Fähigkeit, überlegte Entscheidungen zu treffen, Konflikte gewaltfrei zu lösen, einen gesunden Lebensstil zu führen, soziale Beziehungen aufzubauen, und Verantwortungsgefühl sowie kritisches Denkvermögen, kreative Talente und andere Fähigkeiten zu entwickeln, die als Hilfe dienen, die Möglichkeiten im Leben zu nutzen.

Entscheidend ist, dass aus der menschen- und kinderrechtlichen Perspektive Bildung nicht nur als Grundlage zur Verwirklichung von Chancengleichheit verstanden wird, sondern auch als individuelles Recht des Kindes auf Persönlichkeitsentwicklung.

Außerdem erstreckt sich der Bildungsbegriff auf formelle wie informelle Bildungseinrichtungen, die außerhalb des regulären Bildungssystems stehen.

Das Recht auf Bildung nach dem Grundsatz der Chancengleichheit (vgl. Artikel 28 Absatz 1) wird in frühkindlichen sowie schulischen Bildungseinrichtungen nicht ausreichend und vor allem nicht diskriminierungsfrei umgesetzt. Der chancengerechte Zugang und die Gleichbehandlung aller Kinder werden im Rahmen des Bildungs- und Erziehungssystems in Deutschland nicht verwirklicht. Zahlreiche Studien belegen, dass Kinder aufgrund bestimmter Eigenschaften, Merkmale oder gesellschaftlicher Zuschreibungen in ihrem Recht auf Bildung strukturell benachteiligt werden. Hierzu gehören vor allem Kinder mit Behinderungen, Kinder mit sogenanntem Migrationshintergrund sowie Kinder aus armutsbetroffenen Familien. Diese Benachteiligung wirkt sich auf ihre gesamte Bildungsbiografie aus.

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