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Online-Ratgeber: Cybergrooming

Was ist Cybergrooming?

Cybergrooming heißt, dass Erwachsene absichtlich Kontakt zu Kindern oder Jugendlichen im Internet suchen. Sie wollen ihr Vertrauen gewinnen. Danach versuchen sie, die Kinder sexuell zu belästigen, zu sexuellen Handlungen zu bewegen, intime Bilder oder Videos zu bekommen oder ein persönliches Treffen zu planen. Der erste Kontakt erscheint oft ganz harmlos. Er ist freundlich, interessiert, verständnisvoll oder wirkt sogar freundschaftlich. Genau das macht ihn besonders gefährlich.

Cybergrooming betrifft viele Kinder

Fast jedes vierte Kind und jeder vierte Jugendliche zwischen acht und 17 Jahren hat schon Erfahrungen mit Cybergrooming gemacht. Bei den unter 14-Jährigen sind es 16%. Zwei Drittel der befragten Kinder und Jugendlichen wollen mehr Aufklärung über das Thema in der Schule. Dies sind die Ergebnisse einer Studie der Landesanstalt für Medien NRW aus dem Jahr 2025. Sie basiert auf den Antworten von 2.041 Kindern und Jugendlichen.

Auch die Polizeiliche Kriminalstatistik zeigt das Ausmaß sexualisierter Gewalt gegen Kinder. Im Jahr 2024 wurden bundesweit 16.354 Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch und 18.085 betroffene Kinder erfasst. Diese Zahlen zeigen aber nur das sogenannte Hellfeld. Damit sind Fälle gemeint, die bei den Behörden bekannt sind. Es ist aber von einem höheren Dunkelfeld auszugehen. Das umfasst auch die Fälle, die gar nicht angezeigt und somit statistisch nicht erfasst werden. Vor diesem Hintergrund lassen sich die Befragungszahlen und die polizeilichen Fallzahlen nicht unmittelbar miteinander vergleichen.

Wo kann Cybergrooming passieren?

Cybergrooming kann überall passieren, wo Kinder und Jugendliche online kommunizieren, spielen oder sich austauschen. Das gilt zum Beispiel für soziale Netzwerke, Messenger-Dienste, gemeinsames Spielen von Online-Spielen, Chats, Livestreams oder Online-Communitys wie Gruppen und Gemeinschaften im Internet.

Auch Plattformen wie TikTok, Instagram, Snapchat, Discord, Roblox, Fortnite oder YouTube können eine Rolle spielen. Es kommt deshalb nicht nur darauf an, welche App oder welches Spiel ein Kind nutzt. Besonders wichtig ist, mit wem es dort Kontakt hat und wie sich dieser Kontakt entwickelt.

Wie gewinnen Täterinnen und Täter das Vertrauen anderer?

Cybergrooming läuft oft in mehreren Schritten ab. Am Anfang schenken die Täter oft Aufmerksamkeit, machen Komplimente oder geben vor, ähnliche Interessen zu haben. Sie bieten zum Beispiel Hilfe an. Sie versprechen Geschenke oder Vorteile in einem Online-Spiel. Sie geben dem Kind das Gefühl, besonders wichtig zu sein.

Manchmal nennt man das „Love Bombing“. Das bedeutet, dass ein Kind mit Aufmerksamkeit, Komplimenten und Zuwendung überhäuft wird. So soll schnell Vertrauen und eine emotionale Bindung entstehen.

Später wird der Kontakt oft persönlicher. Die Person versucht vielleicht, das Kind dazu zu bringen, in einen privaten Chat oder einen anderen Messenger zu wechseln. Dieser Plattformwechsel bedeutet, dass die Kommunikation von einem Ort wie einem Spiel oder sozialen Netzwerk in einen privaten Nachrichtenbereich wechselt.

Danach können Geheimnisse, emotionale Abhängigkeit und immer mehr sexualisierte Gespräche kommen. Setzt das Kind Grenzen, kann die andere Person versuchen, ihm die Schuld zu geben. Wenn das Kind schon intime Bilder oder Videos an den Täter geschickt hat, sind auch Drohungen und Erpressung möglich.

Mehr Informationen zu Täterstrategien, „Love Bombing“, Vertrauensaufbau, Grenzverschiebungen, Geheimhaltungsdruck und Erpressung.

Warum Kinder die Gefahr oft nicht erkennen

Für ein Kind kann sich ein solcher Kontakt zunächst wie eine echte Freundschaft oder besondere Beziehung anfühlen. Aufmerksamkeit, Anerkennung und das Gefühl, verstanden zu werden, sind für Kinder und Jugendliche wichtig. Täterinnen und Täter nutzen genau diese Bedürfnisse gezielt aus. Besonders Kinder, die sich einsam, unsicher oder unverstanden fühlen, können dadurch leichter beeinflusst werden.

Wichtig ist deshalb: Kinder sind nicht schuld. Sie handeln nicht „dumm“ oder „leichtsinnig“. Die Verantwortung liegt immer bei der erwachsenen Person, die ihr Vertrauen ausnutzt. Viele Betroffene sprechen außerdem nicht darüber, weil sie sich schämen oder Angst vor Ärger und Konsequenzen haben.

Warum kann ein Plattformwechsel wichtig sein?

Ein Kontakt kann beispielsweise beim gemeinsamen Spielen eines Online-Spiels entstehen und anschließend in einem privaten Messenger weitergeführt werden. Täterinnen und Täter versuchen dabei häufig, die Kommunikation aus einem öffentlich zugänglichen Bereich in einen privaten und weniger einsehbaren Bereich zu verlagern. Mit dem Kind über einen Plattformwechsel in eine 1:1-Kommunikation zu treten ist eine immer öfter festgestellte Vorgehensweise der Täter. 

Für Eltern und pädagogische Fachkräfte kann deshalb ein plötzlicher Wechsel zu einer anderen App interessant sein. Wichtig ist nicht, automatisch jeden Plattformwechsel als gefährlich einzustufen, sondern darauf zu achten, warum der Wechsel erfolgt und wie sich die Kommunikation verändert.

Mehr Informationen zum Plattformwechsel, zu privaten Messengern, möglichen Risiken und dazu, worauf Eltern dabei achten können.

Warum fragen Täter nach persönlichen Informationen?

Täterinnen und Täter können gezielt nach dem Alter, dem Wohnort, der Schule, dem Tagesablauf oder der Familie fragen. Solche Informationen können ihnen helfen, mehr über das Kind zu erfahren und später Druck oder Kontrolle auszuüben. Auch scheinbar harmlose Fragen, Witze, Komplimente oder Bilder können dazu dienen, herauszufinden, wie weit sich ein Kind auf bestimmte Themen einlässt.

Doxxing bedeutet, private persönliche Daten eines Menschen im Internet zu veröffentlichen oder weiterzugeben. Swatting bezeichnet das gezielte Auslösen eines Polizei- oder Rettungseinsatzes an der Adresse einer anderen Person. Solche Formen des Missbrauchs persönlicher Daten können zusätzliche Gefahren darstellen.

LINK [3] Mehr Informationen zum Umgang mit persönlichen Daten, zu Doxxing, Swatting sowie zu KI-generierten Bildern, Deepfakes und künstlich nachgeahmten Stimmen.

Warum Online-Spiele besonders wichtig sind

Beim Gaming (Spielen von Online-Spielen) kommen Kinder häufig ganz selbstverständlich mit Menschen in Kontakt, die sie nicht persönlich kennen. Das kann zum normalen Spielablauf gehören und wirkt deshalb zunächst nicht ungewöhnlich.

Gemeinsames Spielen, Teamgefühl, Hilfe beim Spiel oder Belohnungen können gezielt genutzt werden, um Vertrauen aufzubauen. Ein Kontakt kann beim Spielen beginnen und später in einem privaten Chat oder Messenger fortgesetzt werden.

LINK [4] Mehr Informationen zu Cybergrooming beim Gaming, zu Kontakten mit unbekannten Mitspielenden, Teamgefühl, Belohnungen und dem Wechsel in private Kommunikation.

Welche Warnsignale können Eltern und Fachkräfte beobachten?

Mögliche Warnsignale können sein:

  • Das Kind wirkt nach der Nutzung des Handys plötzlich traurig, angespannt oder gereizt.
  • Es schließt Chats auffällig schnell.
  • Neue Online-Kontakte werden geheim gehalten.
  • Eine unbekannte oder ältere Person wird plötzlich besonders wichtig.
  • Jemand verlangt vom Kind, den Kontakt geheim zu halten.
  • Jemand fragt nach Bildern, Videos, der Kamera, Adresse, Schule oder Treffpunkten.
  • Das Kind fühlt sich unter Druck, ständig antworten zu müssen (evtl. wird das Kind mit schon verschickten intimen Bildern erpresst). 
  • Jemand macht ihm ein schlechtes Gewissen, wenn es nicht antwortet.
  • Das Kind zieht sich zurück oder verändert sein Verhalten (spürbare Tendenz zur Geheimhaltung).

Ein einzelnes Anzeichen bedeutet nicht automatisch, dass Cybergrooming vorliegt. Mehrere Veränderungen sollten jedoch Anlass sein, genauer hinzuschauen und das Gespräch zu suchen.

LINK [5] Mehr Informationen zu möglichen Warnsignalen, auffälligen Verhaltensänderungen und der Frage, wann Eltern und Fachkräfte genauer hinschauen sollten.

Was können Eltern und pädagogische Fachkräfte tun?

Kinder sollten wissen, dass sie jederzeit über unangenehme Erfahrungen sprechen können. Erwachsene können das Gespräch offen beginnen und beispielsweise fragen:

  • „Hat dich jemand online unter Druck gesetzt?“
  • „Wollte jemand ein Geheimnis von dir?“
  • „Hat jemand nach Bildern oder persönlichen Informationen gefragt?“
  • „Hat jemand versucht, dich von anderen Erwachsenen fernzuhalten?“
  • „Hat jemand verlangt, dass du auf eine andere App wechselst?“

Wichtig sind dabei Ruhe, Offenheit und Vertrauen. Kinder sollten wissen: Erwachsene dürfen keine Geheimnisse erzwingen. Unangenehme Kontakte dürfen jederzeit beendet werden. Hilfe zu holen ist niemals „Petzen“. Und selbst wenn bereits etwas passiert ist, können und sollen Kinder sich einem Erwachsenen anvertrauen.

Die wichtigste Botschaft lautet: Schuld trägt niemals das Kind.

LINK [6] Mehr Informationen dazu, wie Erwachsene mit Kindern über Cybergrooming sprechen und Vertrauen schaffen können.

Was tun bei einem Verdacht?

Wenn Eltern oder pädagogische Fachkräfte einen konkreten Verdacht haben, sollten sie zunächst Ruhe bewahren und das Kind ernst nehmen. Vorwürfe oder Schuldzuweisungen helfen nicht.

Wichtig ist außerdem: Nichts vorschnell löschen. Chats, Profile und andere digitale Spuren können für eine spätere Aufklärung wichtig sein. Gesichert werden können beispielsweise Chatverläufe, Profilnamen, Nutzernamen, Nutzerkennungen, Telefonnummern, Links und Screenshots. Wenn möglich, sollten auch Datum und Uhrzeit festgehalten werden.

Kinder löschen Nachrichten häufig aus Angst oder Scham. Dadurch können wichtige Beweise verloren gehen. Auch Täterprofile können gelöscht oder verändert werden. Deshalb kann eine frühe Sicherung digitaler Spuren für Ermittlungen entscheidend sein.

Das Kind sollte nicht weiter mit der verdächtigen Person kommunizieren. Das Profil kann blockiert und auf der jeweiligen Plattform gemeldet werden. Bei konkreten sexuellen Forderungen, Erpressung, Drohungen oder einem geplanten persönlichen Treffen sollte die Polizei eingeschaltet werden. Die verdächtige Person sollte nicht selbst konfrontiert werden.

WICHTIGER HINWEIS: Chatverläufe, Profilnamen, Nutzer-IDs, Links sowie Datum und Uhrzeit können grundsätzlich gesichert werden!
Bei sexualisierten Bildern oder Videos von Minderjährigen sollte man dagegen nicht eigenständig weitere Kopien anfertigen, Inhalte herunterladen oder gar weiterleiten. Damit macht man sich strafbar! In der Praxis führen genau solche Sicherungsmaßnahmen durch Eltern oder andere Bezugspersonen regelmäßig zu Hinweisen der Plattformbetreiber auf Straftaten (Besitz/Verbreitung von Missbrauchsdarstellungen).

Hier sollte im Zweifel frühzeitig mit der Polizei abgestimmt werden, wie mit solchen Inhalten umgegangen werden sollte.

LINK [7] Mehr Informationen zum richtigen Verhalten im Verdachtsfall, zur Sicherung digitaler Spuren, zum Melden und Blockieren sowie zur Einschaltung der Polizei.

Wenn bereits intime Bilder verschickt wurden

Wenn ein Kind bereits intime Bilder oder Videos verschickt hat, sind Scham und Angst häufig besonders groß. Gerade dann braucht es Unterstützung und keine Vorwürfe.

Aus Cybergrooming kann Sextortion entstehen (Erpressung mit intimen Bildern oder Videos). Betroffene sollten damit nicht allein bleiben. Auch in dieser Situation gilt: Ruhe bewahren, das Kind nicht beschuldigen, digitale Spuren sichern und Unterstützung holen.

LINK [8] Mehr Informationen zu Sextortion, also der Erpressung mit intimen Bildern oder Videos, und dazu, was Betroffene und Erwachsene konkret tun können.

LINKS/Vertiefungen zum Ratgeber

  1. Typische Täterstrategien – Schritt für Schritt

Cybergrooming ist häufig kein spontaner Kontakt, sondern ein gezielt aufgebauter Prozess. Täterinnen und Täter gehen oft über mehrere Stufen vor und passen ihre Kommunikation an das Kind an.

Typische Strategien sind:

  • Aufmerksamkeit und Komplimente
  • „Love Bombing“ (besonders intensive Aufmerksamkeit, Komplimente und Zuwendung)
  • Vortäuschen gemeinsamer Interessen und Hobbys
  • Geschenke oder Vorteile beim Spielen
  • Versprechen von Unterstützung, Anerkennung, Bekanntheit oder Zugehörigkeit
  • regelmäßiger und zunehmend persönlicher Kontakt
  • Aufbau emotionaler Nähe
  • Plattformwechsel (Verlagerung der Kommunikation auf eine andere, meist privatere Plattform), Wechsel in private Chats oder Messenger
  • schrittweise Verschiebung persönlicher Grenzen
  • Geheimhaltungsdruck („Das darf niemand wissen.“)
  • schrittweise Einführung sexualisierter Gespräche oder Inhalte
  • Schuldumkehr (dem Kind wird die Verantwortung für die Situation zugeschoben, wenn es Grenzen setzt)
  • Drohungen oder Erpressung, wenn bereits intime Bilder oder Videos vorhanden sind

Wichtig: Der erste Kontakt muss keineswegs verdächtig wirken. Gerade die scheinbare Freundlichkeit und besondere Aufmerksamkeit können Teil der Strategie sein.

  1. Plattformwechsel und private Kommunikation

Ein Plattformwechsel kann ein wichtiger Bestandteil des Vorgehens sein. Ein Kontakt beginnt beispielsweise in einem Spielchat, auf TikTok oder Instagram und wird anschließend auf WhatsApp, Snapchat, Telegram, Discord oder andere private Messenger verlagert.

Warum kann das problematisch sein?

  • Kommunikation wird privater
  • andere Personen haben weniger Einblick
  • Nachrichten können flüchtiger oder schwerer nachvollziehbar sein
  • der Kontakt kann intensiver und persönlicher werden
  • Täterinnen und Täter können versuchen, ihre Spuren besser zu verbergen

Aus der Ermittlungs- und Fachpraxis ist der Plattformwechsel deshalb besonders relevant. Für Eltern bedeutet das nicht, dass jeder Wechsel auf eine andere App verdächtig ist. Entscheidend ist der Zusammenhang: Mit wem kommuniziert das Kind, warum soll die Kommunikation verlagert werden und wie verändert sich der Ton des Kontakts?

Auch Profile selbst können täuschen. Täterinnen und Täter können Profile verwenden, die jugendlich oder bewusst harmlos wirken. Dabei können künstlich erzeugte oder manipulierte Bilder, Videos oder Stimmen eingesetzt werden. Hierbei nutzen Täterinnen und Täger auch neue Möglichkeiten in Form von KI, Deepfakes und Voice Cloning

  1. Persönliche Daten und digitale Identitäten

Täterinnen und Täter fragen teilweise früh nach persönlichen Informationen. Dazu können gehören:

  • Alter
  • Wohnort
  • Schule
  • Tagesablauf
  • familiäre Situation
  • Adresse
  • mögliche Treffpunkte

Solche Informationen können zunächst dazu dienen, mehr über das Kind zu erfahren und eine persönliche Beziehung aufzubauen. Später können sie für Kontrolle, Einschüchterung oder Erpressung genutzt werden. Auch scheinbar harmlose Fragen, Witze, Komplimente oder Bilder können dazu dienen, Grenzen auszutesten.

Doxxing bedeutet die Veröffentlichung oder Weitergabe privater persönlicher Daten einer Person.

Swatting bezeichnet das gezielte Auslösen eines Polizei- oder Rettungseinsatzes an der Adresse einer anderen Person. Darüber hinaus gibt es Fälle, in denen beispielsweise massenhaft Waren oder Dienstleistungen an eine fremde Adresse bestellt werden.

Für Eltern bedeutet das: Kinder sollten wissen, dass persönliche Daten nicht leichtfertig weitergegeben werden sollten – auch dann nicht, wenn eine Online-Bekanntschaft zunächst vertrauenswürdig erscheint.

  1. Cybergrooming beim Gaming

Gaming bedeutet das Spielen von Online-Spielen. Für viele Kinder gehört es ganz selbstverständlich dazu, während des Spiels mit anderen Menschen zu sprechen. Dabei können auch Personen dabei sein, die sie nicht persönlich kennen.

Genau diese Normalität kann Cybergrooming begünstigen.

Mögliche Ansatzpunkte für Täterinnen und Täter sind:

  • gemeinsames Spielen
  • gemeinsame Interessen
  • Teamgefühl
  • Hilfe bei einem Spiel
  • besondere Aufmerksamkeit
  • Belohnungen oder Vorteile innerhalb des Spiels
  • scheinbar harmlose Gespräche während einer Gaming-Session

Die Kommunikation wirkt für Kinder zunächst häufig völlig unproblematisch, weil sie Teil des Spiels oder der Community ist.

Ein Kontakt kann beim Spielen entstehen und später in einen privaten Chat oder Messenger wechseln. Deshalb sollten Eltern nicht nur darauf achten, welche Spiele ihr Kind spielt, sondern auch, mit wem es dort kommuniziert und ob sich daraus ein intensiver persönlicher Kontakt entwickelt.

  1. Warnsignale erkennen

Cybergrooming ist nicht immer unmittelbar erkennbar. Es gibt jedoch Veränderungen, bei denen Eltern und pädagogische Fachkräfte genauer hinschauen sollten.

Mögliche Warnsignale:

  • Das Kind wirkt nach der Handynutzung plötzlich angespannt, traurig oder gereizt.
  • Chats werden hektisch geschlossen.
  • Neue Online-Kontakte werden geheim gehalten.
  • Eine unbekannte oder ältere Person wird plötzlich auffällig wichtig.
  • Jemand verlangt Geheimhaltung.
  • Jemand fragt nach Bildern, Videos oder der Kamera.
  • Jemand fragt nach Adresse, Schule oder Treffpunkten.
  • Das Kind steht unter Druck, ständig antworten zu müssen.
  • Jemand macht dem Kind ein schlechtes Gewissen, wenn es nicht antwortet.

Ein einzelnes Anzeichen bedeutet nicht automatisch Cybergrooming. Entscheidend sind das Gesamtbild und vor allem die Beobachtung einer Veränderung im Vergleich zum bisherigen Verhalten des Kindes.

  1. Mit Kindern über Cybergrooming sprechen

Kinder sprechen häufig nicht von selbst über problematische Online-Kontakte. Scham, Angst vor Ärger oder die Sorge vor einem Handyverbot können dazu führen, dass sie Erlebnisse verheimlichen.

Deshalb sollten Erwachsene nicht nur fragen:

„Hat dich ein Fremder angeschrieben?“

Hilfreicher sind offene Fragen:

  • „Hat dich jemand online unter Druck gesetzt?“
  • „Wollte jemand ein Geheimnis von dir?“
  • „Hat jemand nach Bildern oder persönlichen Informationen gefragt?“
  • „Hat jemand versucht, dich von anderen Erwachsenen fernzuhalten?“
  • „Hat jemand verlangt, dass du auf eine andere App wechselst?“

Wichtig ist die Reaktion des Erwachsenen. Kinder sollten erleben:

  • Ich werde ernst genommen.
  • Ich bekomme keinen Ärger, wenn ich Hilfe hole.
  • Ich darf über unangenehme Dinge sprechen.
  • Ich muss keine Geheimnisse für Erwachsene bewahren.
  • Ich darf einen unangenehmen Kontakt beenden.
  • Ich bin nicht schuld.

Eine vertrauensvolle Beziehung und offene Gespräche sind ein wichtiger Schutz.

  1. Was tun im Verdachtsfall? – Schritt für Schritt

Wenn ein Verdacht auf Cybergrooming besteht, sollten Erwachsene zunächst Ruhe bewahren und das Kind emotional unterstützen.

Das Kind unterstützen:

  • zuhören
  • ernst nehmen
  • beruhigen
  • keine Vorwürfe machen
  • keine Schuldzuweisungen
  • dem Kind vermitteln: „Du hast nichts falsch gemacht.“

Digitale Spuren sichern – nicht vorschnell löschen!

Gesichert werden können beispielsweise:

  • Chatverläufe
  • Profile und Profilnamen
  • Nutzernamen
  • Nutzerkennungen und IDs
  • Telefonnummern
  • URLs
  • Plattformnamen
  • Screenshots
  • Datum und Uhrzeit
  • relevante technische Informationen

Kinder löschen Chats häufig aus Angst oder Scham. Täterprofile können außerdem gelöscht oder umbenannt werden. Dadurch können wichtige Ermittlungsansätze verloren gehen.

Danach:

  • keine weitere Kommunikation durch das Kind
  • Profil blockieren
  • Kontakt bei der Plattform melden
  • bei konkreten sexuellen Forderungen: Polizei einschalten
  • bei Erpressung: Polizei einschalten
  • bei Drohungen: Polizei einschalten
  • bei einem geplanten persönlichen Treffen: Polizei einschalten

Wichtig: Die tatverdächtige Person nicht selbst konfrontieren. Eine persönliche Konfrontation kann die Situation verschärfen und mögliche Ermittlungen beeinträchtigen.

  1. Sextortion – wenn mit Bildern erpresst wird

Wenn ein Kind bereits intime Bilder oder Videos verschickt hat, kann sich die Situation schnell zuspitzen. Täterinnen und Täter können die vorhandenen Bilder anschließend als Druckmittel einsetzen.

Sextortion bedeutet Erpressung mit intimen Bildern oder Videos.

Betroffene Kinder und Jugendliche reagieren häufig mit:

  • Scham
  • Angst
  • Schuldgefühlen
  • Angst vor Ärger mit den Eltern
  • Angst vor einem Handyverbot
  • Angst, dass Bilder veröffentlicht werden

Gerade deshalb ist es wichtig, ruhig zu bleiben und das Kind nicht zusätzlich unter Druck zu setzen.

Was jetzt wichtig ist:

  • keine Vorwürfe
  • keine Schuldzuweisungen
  • das Kind ernst nehmen
  • den Kontakt nicht weiterführen lassen
  • digitale Spuren sichern
  • Nichts vorschnell löschen
  • bei Erpressung die Polizei einschalten, nicht zahlen und nicht auf weitere Forderungen eingehen. Erfahrungen aus der Praxis zeigen: Eine Zahlung beendet die Erpressung in aller Regel nicht und kann zu weiteren, höheren Forderungen führen.
  • Unterstützung für das Kind organisieren

Die wichtigste Botschaft bleibt auch hier: Das Kind trägt keine Schuld.

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